INSPIRE-ACT Studie

Die Lebenserwartung in der Schweiz steigt stetig, wodurch immer mehr ältere Menschen zu Hause leben und dabei zunehmend Unterstützung benötigen. Viele sind auf Spitex und andere gemeindebasierte Dienste angewiesen. Die Versorgung ist jedoch oft fragmentiert, was zu Belastungen für Klientinnen, Klienten und deren Angehörige sowie zu einem höheren Risiko vermeidbarer Spitaleinweisungen führt. Im Kanton Basel-Landschaft wurde im Jahr 2023 jede dritte Person ab 75 Jahren hospitalisiert, was den Bedarf an besser koordinierter Versorgung verdeutlicht.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wurde 2018 das Altersbetreuungs- und Pflegegesetz (APG) eingeführt. Dieses Gesetz organisiert die Versorgung in regionale Netzwerke und sieht die Einrichtung von Informations- und Beratungsstellen vor, um Orientierung, Koordination und Unterstützung für ein Altern zu Hause zu stärken.

Im Einklang mit diesem Rahmen und aufbauend auf den Erkenntnissen aus dem ursprünglichen INSPIRE-Projekt passt das neue Projekt ein evidenzbasiertes Versorgungsmodell für Spitex-Organisationen an. Ziel ist es, Klientinnen und Klienten mit einem erhöhten Risiko für eine Spitaleinweisung frühzeitig zu erkennen und durch integrierte und vorausschauende Versorgung zu unterstützen.

INSPIRE – ACT: Implementierung eines Modells für klinisches Assessment, interprofessionelle Kommunikation und Koordination der Versorgung von zu Hause lebenden älteren Personen mit einem Spitaleinweisungsrisiko in der Spitex

 

Das Projekt INSPIRE-ACT baut auf dem rechtlichen und pflegerischen Rahmen der Basellandschaft und den Erkenntnissen aus dem ursprünglichen INSPIRE-Projekt auf. Es ist in drei Phasen gegliedert und folgt dem Medical Research Council (MRC) Framework für die Entwicklung, Anpassung und Bewertung komplexer Interventionen.

Dieser strukturierte Ansatz stellt sicher, dass das Modell systematisch auf Spitex-Dienste zugeschnitten und rigoros auf seine Wirksamkeit bei der Vermeidung vermeidbarer Spitaleinweisungen älterer Menschen hin überprüft wird.

 

Abb. 1. Phasen des INSPIRE-ACT-Projekts

Phase A – Kontextanalyse und Anpassung

Die erste Phase konzentrierte sich darauf, den spezifischen Kontext, die Prozesse, Bedürfnisse und Ressourcen von Spitex-Organisationen zu verstehen. In enger Zusammenarbeit mit Spitex-Mitarbeitenden auf verschiedenen Ebenen wurde eine detaillierte Kontextanalyse durchgeführt, um die Anpassung des INSPIRE-Versorgungsmodells an dieses neue Setting zu unterstützen.

Als Ergebnis wurde eine gezielte Intervention mit vier zentralen Komponenten entwickelt, die darauf ausgerichtet ist, die Versorgungskoordination zu verbessern und durch ein kontinuierliches Überwachungssystem unterstützt wird.

Phase B – Pilotphase

In der zweiten Phase wird das angepasste Versorgungsmodell in zwei Spitex-Organisationen im Kanton Basel-Landschaft auf seine Machbarkeit getestet. Diese Phase untersucht, wie gut das Modell in der täglichen Praxis umgesetzt werden kann, mit einem besonderen Fokus auf Akzeptanz, Implementierungstreue und Reichweite.

Phase C – Evaluation

In der dritten und letzten Phase wird die Wirksamkeit des INSPIRE-ACT-Versorgungsmodells in Bezug auf die Verbesserung der Versorgungsergebnisse von zu Hause lebenden älteren Menschen bewertet. Diese Evaluation wird in zwei Spitex-Organisationen durchgeführt und konzentriert sich auf zentrale Ergebnisse wie Hospitalisierungen, personenzentrierte Versorgung, Pflegeheimeintritte und gesundheitsbezogene Lebensqualität.

Zusätzlich werden wir untersuchen, wie, warum und unter welchen Umständen die Intervention diese Ergebnisse erzielt, wie sie die Versorgungskoordination für Spitex-Klientinnen und -Klienten verbessert, und wie kosteneffektiv das Modell im Vergleich zur üblichen Versorgung ist.

Vom INSPIRE- zum INSPIRE-ACT-Projekt

Das INSPIRE-ACT-Projekt baut auf den Erfahrungen und Erkenntnissen des ursprünglichen INSPIRE-Projekts auf, das ein integriertes Versorgungsmodell für gebrechliche, zu Hause lebende ältere Menschen im Kanton Basel-Landschaft entwickelt und getestet hat. Durch diese Vorarbeit konnten zentrale Wirkmechanismen identifiziert und die Bedeutung der Zusammenarbeit über verschiedene Versorgungsbereiche hinweg hervorgehoben werden.

Während das ursprüngliche Projekt in einer Informations- und Beratungsstelle (IBS) umgesetzt wurde, verlagert das neue INSPIRE-ACT-Projekt die Implementierung näher an die Gemeinschaft. Durch die direkte Zusammenarbeit mit Spitex-Organisationen stärkt INSPIRE-ACT die Koordination an der Versorgungsfront, verbessert die Umsetzungstreue in Bezug auf die Kernkomponenten des Modells und erhöht die Reichweite bei älteren Menschen mit einem erhöhten Risiko für Hospitalisierungen.

Weitere Informationen zum ursprünglichen INSPIRE-Projekt finden Sie hier.